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Brot und Butter


08/24/2005 - 20:47

Brot und Butter

Der weißrussische Diktator Lukaschenko fürchtet einen Comic

Der weißrussische Autokrat Aleksander Lukaschenko ist bekannt für seinen bodenständigen Humor. „So eine Demokratie mit Gewalten brauchen wir nicht", sagte er mal: „Wir brauchen eine Demokratie, in der der Mensch arbeitet, meinetwegen irgendeinen Lohn bekommt, um sich ein wenig Brot, Milch, Sauerrahm und Quark zu kaufen, manchmal ein Stück Fleisch, um seine Kinder zu ernähren." Das Zitat ist mittlerweile zum Klassiker unter weißrussischen Oppositionellen geworden. Ein anderes hätte das Zeug dazu: „Eine ruhige Insel" solle Weißrussland nach Meinung des Hitler-Verehrers Lukaschenko sein, „inmitten eines stürmischen Meeres".

Wiktar Basukjewitsch aus Grodno nahm das wörtlich und setzte Lukaschenko in einer kurzen Comic-Animation ein Denkmal, er platzierte den Präsidenten auf eine Kuh in der Mitte einer sturmbedrohten Insel. In einem anderen Film ließ er den von der Opposition und vom Westen bedrängten Lukaschenko in die Arme des russischen Präsidenten Putin sinken, der ihn mit dem russischen Schlager „Weine nicht, mein Kleiner" tröstete.

Die 30 circa zweiminütigen Comicfilme sind die ersten ihrer Art in Weißrussland. Sie karikieren Lukaschenko, seine Wahlfälschungen, aber auch die Opposition und den Alltag. Die Filme entwickelten sich zum Renner und wurden Monat für Monat auf der Webseite mult.3dway.org von mehr als 30 000 Besuchern angeklickt.

Das blieb auch dem weißrussischen KGB nicht verborgen. Der Geheimdienst setzte den jungen Karikaturisten wegen „vermuteter Präsidentenbeleidigung" fest. Bei Verurteilung drohen ihnen bis zu fünf Jahren Haft. Repression ist nichts Neues in Weißrussland, aber dieser Fall hat eine neue Qualität. Erstens, weil sich der KBG und nicht, wie üblich, der Staatsanwalt eingeschaltet hat. Experten vermuten, dies sei ein deutliches Zeichen für eine verstärkte Kontrolle des bis dato recht unbehelligten Internets. Und: Bisher hatte sich das „System" nicht um derart „kleine Fische" aus der Untergrund-Kultur gekümmert.

Die Resonanz auf die Verhaftung des Künstlers war dann so groß, dass sie eine Diskussion über die Bedeutung der Animation als Medium der Kritik heraufbeschwor. Und die wird so bald nicht enden. „Wenn es nichts zu lachen gibt", hat der polnische Autor Stanislaw Jerzy Lee geschrieben, „kommen Satiriker auf die Welt."

Источник: Süddeutsche Zeitung, Nr. 194, Mittwoch, 24, August 2005

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